Geschichte der Hospizbewegung
Während ursprünglich die “Hospitäler” gemäß abendländischer - christlicher Traditionen “Zufluchtstätten” für psychisch, physisch und soziale Bedürfnisse waren, deren Aufgabe es war als “Sozialasyle” Hilflosigkeit und Hinfälligkeit aufzufangen, hat die naturwissenschaftliche Medizin das “Krankenhaus” zum Ort der gezielten Behandlung von Krankheiten gemacht.
Um 1900 starben die meisten Menschen noch durch ansteckende Krankheiten wie Grippe, Scharlach, Masern usw. wogegen heute die Menschen an Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs sterben. Dadurch hat sich der Prozess des Sterbens verändert. Zwischen der Diagnose und dem Eintritt des Todes vergehen heute wesentlich längere Zeiträume. Das bedeutet für den Sterbenden oft eine längere Sterbephase, räumt ihm aber auch eine nie da gewesene Zeit zur Auseinandersetzung und Vorbereitung auf ihn ein.
Schon im Mittelalter pflegten Ordensschwestern und Brüder Alleinstehende, Kranke und Sterbende.
Das erste neuzeitliche Hospiz wurde von den “Schwestern der Barmherzigkeit” in Dublin gegründet.
1902 richteten die irischen Krankenschwestern in London ein zweites Hospiz für sterbende Arme ein.
Die Ärztin Saunders betreute nach dem zweiten Weltkrieg als Krankenschwester Menschen, die an Krebs starben. Hieraus entstand bei ihr die Idee, losgelöst von den traditionellen religiösen Moralvorstellungen, einen Ort zu finden, an dem Menschen würdig bis zuletzt leben und sterben können. Ihre Vision war, Schmerzen wirksam zu bekämpfen, und sie war sich ganz sicher, dass sie dafür von den verschiedensten Seiten erfasst werden müssen: pflegerisch und medizinisch, psychisch und geistig, sozial und spirituell.
Die Ärztin Saunders gründete 1967 in London das “St. Christopher`s Hospice”, das als Ausgangspunkt und Modell der modernen Hospizbewegung gilt.
In Deutschland fand die sich international ausbreitende Hospizbewegung 1971 durch den im ZDF gezeigten Film “Noch 16 Tage…” erstmals größeres Interesse. Der Film zeigte zum ersten Mal, wie in dem “St. Christopher`s Hospice” schwerstkranke und sterbende Menschen und deren Angehörige lebten und wie mit ihnen umgegangen wurde. Durch diesen Film wurde in Deutschland der Begriff “Sterbeklinik” geprägt, der zu Missdeutungen und Missverständnissen führte. Ohne die dahinter stehende Idee aufzunehmen, wurde von “Sterbe Ghettos” und der Gefahr der Euthanasie gesprochen.
Bis in die 80er Jahre hielt die Diskussion um “Sterbekliniken” an. Noch 1978 lehnten Kirchen, Wohlfahrtsverbände und Krankenhäuser die Einrichtung von Hospizen ab.
Ein Umdenken haben wir hautsächlich dem Engagement von Professor Dr. med. Student, dem Leiter der Arbeitsgruppe “zu Hause sterben” an der ev. Fachhochschule Hannover, zu verdanken. Er betonte vor allem, dass es bei der Hospizbewegung nicht einfach um die Errichtung neuer Institutionen gehe, sondern um ein bestimmtes Konzept in der Betreuung Schwerkranker und Sterbender und um einen anderen Umgang mit Sterben und Tod.
