Sinnlos, das Sterben zu verleugnen.
Wer dem Tod nicht ins Auge sieht, verdrängt das Leben, geht den Fragen aus dem Weg, die das Leben stellt.

Das Projekt Hospiz macht Schule

Diesmal an der Overbergschule
Leben und Sterben sind miteinander verbunden. Das erfahren Kinder im Projekt Hospiz macht Schule, das die Hospizgruppe Selm Olfen jetzt zum zweiten Mal durchgeführt hat. Während es im vergangenen Jahr in der Ludgerischule mit katholischen Kindern stattfand, war es nun ganz anders. Diesmal waren die sieben Mitarbeiter der Hospizgruppe eine Woche lang in der Klasse 3b der Overbergschule.

Dort sitzen ev. und kath. Christen, Baptisten, Moslime, ein Hindu und konfessionslose Kinder zusammen in der Klasse. Das war spannend. Denn die verschiedenen Religionen vermittelten ihren Kindern sehr unterschiedliche Auffassungen von dem Leben nach dem Tod. Das Projekt der Hospizgruppe ist allerdings an keine Konfession gebunden, wie der Vorsitzende Wolfgang Becker erklärt.  "Wir knüpfen an den Alltag der Kinder an. Viele haben das Thema schon in ihren Familien erfahren. Außerdem werde sie im Fernsehen täglich mit dem Tod konfrontiert." Doch mache Eltern gehen mit dem Thema zu ängstlichen um, wollen es von ihren Kindern fern halten.

Gefühle ausdrücken

Im Projekt werden Sterben und Vergehen als etwas Natürliches begriffen. Die Kinder sehen die Entwicklung des Lebens von der Geburt bis zum Tod. In dem Film Willi will´s wissen erfahren sie etwas über den Tod eines Menschen aus kindlicher Sicht.

Die Hospizmitarbeiter arbeiteten mit den Schülern in Kleingruppen, damit sie Vertrauen fassen konnten. Sie konnten einer Ärztin Fragen stellen oder ihre Gefühle beim Malen von Bildern ausdrücken. Es gab einen Spannungsbogen, der am dritten der sechs Tage mit dem Thema „Tod und Sterben“ seinen Höhepunkt erreichte und sich danach wieder senkte. So wurde die Betroffenheit des dritten Tages am vierten Tag mit Trauerbewältigung und am fünften mit Trösten verarbeitet. Zum Abschuss am sechsten Tag feierten alle mit den Eltern ein Fest in der Klasse. Hier stellten sie die Ergebnisse des Projektes vor, ließen sich mit Leckereien verwöhnen und tanzten einen besonderen Tanz: einen symbolischen Lastentanz, bei dem die Kinder nach und nach mit Sorgen gefüllte Säcke abwarfen, bis sie wieder ganz leicht gehen konnten.